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Tabak - Nicotiana tabacum L.

Tabak

Synonyme: Tobak, Virginischer Tabak
Wissenschaftlicher Name: Nicotiana tabacum L.
Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Heimat: Mexiko, ursprünglich Mittel- und Südamerika.
Inhaltsstoffe: Nikotin und Nebenalkaloide, Rutin, Asparagin, Gerbstoffe, Harze, Enzyme.

Beschreibung

Üppig grüne große Blätter umgeben den bis zu zwei Meter hohen, drüsig behaarten Stängel des einjährigen Tabaks. Am höchsten Punkt dieser giftigen Pflanze blühen von Juni bis September röhrenförmige weiß-rosa Blüten. Fünf Blütenblätter sind zu einer Röhre zusammengewachsen, nur die rosafarbenen oder karminroten Blattspitzen stehen noch zipfelig ab. Aus den Blüten bilden sich Kapseln, die zahlreiche Samen enthalten. Der ursprünglich aus den Tropen stammende Tabak ist vermutlich aus Kreuzungen entstanden. Mit hoher Anpassungsfähigkeit gedeiht er sogar in Deutschland.

Verwendung

In geringen Dosen regt Nicotin das vegetative und sympathische Nervensystem an. Doch bereits die Dosis von 1 mg Nicotin pro Körpergewicht (die Menge von etwa fünf gegessenen Zigaretten für einen Erwachsenen) lässt die anregende Wirkung in eine hemmende umschlagen. Tod durch Atemlähmung kann die Folge sein. Die Kunst, Tabak als Heilpflanze einzusetzen, besteht also in der Dosierung. Die Homöopathie verwendet deshalb potenzierte Tabak-Zubereitungen. Sie helfen gegen Muskelkrämpfe, Seekrankheit, verschiedene Schmerzzustände und Epilepsie. In China gilt Tabak als Mittel gegen Würmer. Die Azteken setzten Tabak zur Linderung von Schmerzen, Hunger und Müdigkeit und zur Behandlung schwer heilender Wunden ein.

Wissenswertes

Jean Nicot (1530-1604), französischer Gesandter am portugiesischen Hof, brachte um 1560 Tabakblätter und -samen aus Portugal nach Frankreich. Er empfahl diese noch recht unbekannte Heilpflanze Katharina von Medici erfolgreich als Mittel gegen ihre Migräne. Ihm zu Ehren erhielt der Tabak den wissenschaftlichen Namen Nicotiana tabacum. Das Wort Tabak stammt vom indianischen „tabagos“, womit die mittelamerikanischen Einwohner Ende des 15. Jahrhunderts die zusammengerollten Tabakblätter, das Rauchrohr bezeichneten.

Tabak hat bis heute bei den Ureinwohnern Amerikas einen heiligen Status und kultische Funktion. Schamanen rauchen, schnupfen, kauen oder trinken die Blätter begleitend zu anderen Pflanzen, versetzen sich damit in einen Rausch und befragen in diesem Zustand die Götter um Rat. Zu Zeiten der Maja, Inka und Azteken war diese Pflanze der Götter allein den Priestern vorbehalten. Mexikanische Medizinmänner und Priester trugen am Gürtel einen Tabakbeutel als Zeichen ihres Ranges. Reiche Medizinmänner unterhielten Diener, deren alleinige Aufgabe in der Pflege des Rauchrohres bestand. Die Tabakspfeife war eine normale Grabbeigabe. Mit Tabak als Vermittler zwischen Erde und geistiger Welt beräucherte ein Priester jedes Neugeborene und seine Mutter. Erst in späterer Zeit war es der normalen Bevölkerung erlaubt, Tabak zu rauchen. Für sie bekam diese Pflanze eine andere Bedeutung: Tabak mindert Hunger und Schmerzen und erhöht die körperliche Widerstandskraft.

Gonzalo Fernandez de Oviedo y Valdés (1478-1557), Weggefährte Columbus’ und Chronist der südamerikanischen Eroberung, brachte als erster den Tabak nach Europa. Die Spanier kultivierten ihn wegen der attraktiven Blüten als Zierpflanze, der spanische Arzt Nicolàs Monardes (1493-1578) lehrte an der Universität Sevilla die Heilwirkungen des Tabaks.

Einatmen von Rauch: Diese neue Art des Konsums besaß in Europa keinen Namen. Mit Begriffen wie Rauchtrinken, Tabaktrinken oder auch Sauferei des Nebels umschrieb man bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts die neue Mode.

Der in Europa eingeführte Tabak stieß nicht nur auf Befürworter dieser als Genussmittel und Allheilmittel verwendeten Pflanze. Bereits im 16. Jahrhundert sprach sich der englische König Jakob I. (1566-1625), Sohn der Maria Stuart, gegen den Tabak aus und verwies Tabakkonsumenten von seinem Hof. Im 17. Jahrhundert wurde Rauchen in Russland und im osmanischen Reich mit hohen Strafen, teilweise sogar mit dem Tode geahndet, um mit dem eingedämmten Tabakkonsum den Einfluss der europäischen Kolonialmächte zu schwächen.

Papst Urban VIII. (1623-1644) drohte in einer Bulle alle, die in der Kirche den heidnischen Tabak rauchten, kauten oder schnupften, mit dem Kirchenbann zu belegen. Sein Nachfolger Papst Innozenz X. (1644-1655) verstieg sich sogar dazu, der ganzen Christenheit die Exkommunikation anzudrohen, wenn sie nicht vom Rauchen ließe. Vergebens. In rasanter Geschwindigkeit verbreitete sich der Tabak über ganz Europa, nach Indien und Asien. 30 Prozent der Weltbevölkerung raucht heute Tabak, die weltweite Rohtabakernte beträgt sieben Millionen Tonnen.

Die Pflanze in WALA Arzneimitteln

Potenzierte Zubereitungen von Tabakblättern finden sich in entkrampfenden WALA Arzneimitteln, zum Beispiel in Nicotiana comp. WALA Globuli velati* bei krampfartigen Schmerzen im Bauchbereich und Robinia comp. WALA Globuli velati* bei Sodbrennen.

*Pflichtangaben

Die Pflanze anders betrachtet

Die Tabakpflanze zeigt eine Besonderheit, die sich erst bei genauerer Betrachtung offenbart. Die Blüten, lang gestreckte Röhren mit fünf Blütenzipfeln, sind keine typischen Vertreter einer offenen, Duft verströmenden Blume. Die Blütenblätter sind zu einer schmalen, langgestreckten Röhre verwachsen. Das eigentliche Element der Pflanzen ist das flächige Blatt. Mit den röhrenförmigen, zusammengewachsenen Blüten hat die Pflanze eine Möglichkeit, Innenräume zu bilden. Geschlossene Innenräume sind das Charakteristikum tierischer Organe. Es fällt auf, dass gerade giftige, alkaloidhaltige Pflanzen wie Tabak und Tollkirsche solche weitgehend geschlossenen, Innenraum bildenden Blüten zeigen. Sie gehen damit über die rein pflanzliche Ebene hinaus. Beide wirken entkrampfend.

*Pflichtangaben

Nicotiana comp. WALA Globuli velati

Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis. Dazu gehören: Harmonisierung der Empfindungsorganisation bei Neigung zu Krämpfen der glatten Muskulatur, z.B. Blähungen, Regelschmerzen, Reizdarm, Bronchialasthma.

Robinia comp. WALA Globuli velati

Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis. Dazu gehören: Harmonisierung von Sekretion und Motilität im oberen Verdauungstrakt, z.B. bei Sodbrennen, Übersäuerung des Magens, Reizmagen.

Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.

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